Bandschleifmaschine für den Messermacher

Sobald man die ersten paar Messer mit einfachen Handwerkzeugen macht, hat man beim stundenlangen Feilen und Schleifen sehr viel Zeit, über schnellere Alternativen nachzudenken. Vor allem der Anschliff der Klinge kann etliche Stunden in Anspruch nehmen. Man überlegt also fast automatisch, welche Maschine man hierfür nehmen könnte. Während Schleifböcke und Winkelschleifer eher ungeeignet sind (mangels Präzision), gibt es eine Maschine, um die sich beim Messermachen alles dreht: die Bandschleifmaschine.

Es gibt sie in allen möglichen Ausführungen, für unterschiedliche Bandlängen und Bandbreiten, mit viel oder wenig Leistung, variabler Geschwindigkeit, stationär oder als Handmaschine. In diesem Artikel möchte ich kurz beschreiben, worauf es bei der Wahl der richtigen Maschine für deine Bedürfnisse ankommt und was mögliche Optionen sind:

  • Stationäre Maschine oder Handmaschine: Man sieht zwar immer wieder z.B. bei Youtube, wie Messer an Handmaschinen geschliffen werden, die zu diesem Zweck in einen Schraubstock oder sonstige Konstruktionen eingespannt werden, trotzdem sind Handmaschinen für das Herstellen von Klingen eher nicht geeignet sondern allenfalls eine Notlösung, wenn man nichts besseres zur Verfügung hat. Es lässt sich einfacher und genauer arbeiten, wenn die Maschine fest z.B. auf einer Werkbank steht und man das Werkstück mit dem nötigen Fingerspitzengefühl an das Schleifband führen kann.
  • Geometrie der Maschine: Der am weitesten Verbreitete Anschliff an Messerklingen ist der Flachschliff (im Gegensatz zu Hohlschliff und balligem Anschliff). Für den Flachschliff braucht man logischerweise eine ebene Fläche, über die das Schleifband läuft, so dass man beim Anpressen des Werkstücks ein ebenes Schliffbild erhält. Diese Fläche sollte sich möglichst vertikal ausrichten lassen und das Schleifband sollte von oben nach unten darüber laufen, um mit Messerklingen gut daran arbeiten zu können. Eine Maschine, die nur ein Kontaktrad (mit einem gewissen Radius) oder ein freilaufendes Band (das beim Anpressen nachgibt) hat, ist also für Messer eher nicht geeignet.
  • Bandbreite und Länge: Die unter Messermachern am weitesten verbreitete Schleifbandbreite ist 50 mm (oder 2 Zoll), aber auch 25, 75 oder 100 mm kommen zum Einsatz. Bei schmalen Bändern wird das gleichmäßige Führen der Klinge schwieriger, weshalb längere Klingen an schmalen Bändern eher schwierig zu schleifen sind (z.B. ein großes Kochmesser an einem 25 mm Band). Die Länge des Bands kann zwischen ca. 500 und 2000 mm variieren. Bei professionellen Maschinen ist in Europa vermutlich 50×2000 mm am weitesten verbreitet, in Nordamerika 2×72 Zoll. Bei günstigen Hobbymaschinen kommen häufig Schleifbänder im Maß 25×762 zum Einsatz.
  • Leistung: Die Einsteigermodelle haben oft relativ schwache Motoren mit ca. 250 W. Damit arbeitet es sich zwar immer noch leichter, als von Hand zu Feilen, aber diese kleinen Maschinen tun sich mit Stahl relativ schwer. Man merkt das daran, dass man beim Arbeiten das Band spürbar abbremst, sobald man etwas höheren Druck ausübt. Ab ca. 750 W macht das Arbeiten mit Stahl richtig Spaß, man kann mühelos Material abtragen, was einem viel Zeit spart.
  • Bandgeschwindigkeit: Für Stahl sind Bandgeschwindigkeiten größer 20 m/s empfehlenswert, für Holz und Kunststoffe deutlich weniger, da sie sonst durch die Wärmeentwicklung leicht verbrennen. Die ideale Lösung ist, eine Maschine mit Geschwindigkeitsregelung über einen Frequenzumrichter (FU) zu nutzen. Leider sind diese Maschinen auch extrem teuer, daher kann ein Kompromiss sein, eine Maschine mit Riementrieb und verschieden großen Riemenscheiben zu verwenden. Der günstigste Kompromiss ist natürlich, sich für eine mittlere Bandgeschwindigkeit zu entscheiden und sich mit moderater Leistung bei Stahl und einer gewissen Neigung zu Verbrennungen bei Holz abzufinden.
  • Kaufen oder Eigenbau: Eine Bandschleifmaschine ist an sich nicht besonders komplex. Man hat einen Motor mit einem Antriebsrad, der das Schleifband antreibt. Das Band läuft über ein bis drei Rollen, die über irgendeine Art von Rahmen miteinander verbunden sind. Dazu kommt eine Spannvorrichtung um das Band zu spannen und zu justieren. So eine Maschine lässt sich also auch selber bauen (so wie ich es übrigens auch gemacht habe, s. andere Artikel). Wie so oft, steck der Teufel dabei im Detail. Was am Anfang einfach scheint, kann zu einem komplizierten Projekt werden. Mir hat es Spaß gemacht, eine eigene Maschine zu bauen, wenn es aber für dich nur Mittel zum Zweck ist, würde ich eher davon abraten. Falls dich das nicht abschreckt und du mehr über dieses Projekt erfahren möchtest, schreib es gerne unten ins Kommentarfeld, dann werde ich bei Gelegenheit einen Beitrag darüber verfassen.
  • Preis: Die wahrscheinlich alles entscheidende Frage: Was kostet die Maschine, die meinen Wünschen entspricht? Eine einfache Bandschleifmaschine für Bänder im Maß 25×762 gibt es schon für unter 100 € und ich habe mit genau so einer Maschine eine ganze Reihe von Messern hergestellt (und war extrem froh, nicht mehr feilen zu müssen!). Eine vollausgestattete Messermacher-Bandschleifmaschine mit ca. 1 kW, FU, verschiedenen Kontakträdern und Schleifvorrichtungen kann dagegen schnell um die 3000 € kosten. Mein Eigenbau aus einem alten Kreissägenmotor, Alukonstruktionsprofilen und diversen Kleinteilen lag übrigens bei Materialkosten um ca. 300 € (allerdings bisher ohne FU).
Günstiger Bandschleifer* für <100 €: Einfacher als feilen, aber eher für Holz geeignet – wie hier zu sehen. Dafür lassen sich auch Messergriffe bearbeiten, ohne zu verbrennen.

Ich hoffe, dieser Beitrag hilft dir weiter, wenn du überlegst, dir einen Bandschleifer zum Messermachen anzuschaffen. Falls du Fragen zu bestimmten Modellen oder zum Eigenbau hast, schreib es gerne als Kommentar zu diesem Beitrag. Ich werde alle Fragen so gut wie möglich beantworten. Fröhliches Schleifen!

6 Antworten auf “Bandschleifmaschine für den Messermacher”

  1. Vielen Dank für deine Beiträge- sehr anschaulich. Ich stehe gerade vor dem Problem, dass in sämtlichen Youtube- Tutorials am Bandschleifer nass gearbeitet wird. Nun will ich mir an meinem 200 € Bandschleifer keinen Schlag holen. Kann ich das auch trocken machen oder sind meine Bedenken gegenüber Nassarbeit übertrieben? Liebe Grüße

    1. Hallo Martin! Danke für die positive Rückmeldung, freut mich zu hören, dass das alles hier auch jemanden weiter hilft. Jetzt zu deiner Frage: du kannst das ohne Probleme auch trocken machen, wirst aber bald das Bedürfnis haben, dein Werkstück zu kühlen, da du dir sonst die Finger verbrennst 😉 Aber wenn du deine Klinge nur kurz in Wasser tauchst, bleibt eigentlich alles recht trocken. Im Zweifelsfall nochmal kurz an einem Lappen abwischen und dann weiter schleifen.

  2. Hallo Martin ,bin aus Südtirol u. habe gerade einen Bandschleifer gebaut, das Problem ist die Bandausrichtung ,das Antriebsrad auch konisch drehen ?? danke für jeden Rat Gruss Peter

    1. Hallo Peter!
      Ja, ich würde in jedem Fall empfehlen, auch das Antriebsrad abzurunden. Was aber auch sehr knifflig sein kann, ist, Motorachse und Rollen parallel auszurichten. Vielleicht hilft es, den Motor ein paar mm nach links oder rechts zu drehen und sich auf diesem Weg langsam an einen stabilen Bandlauf ran zu tasten. Viel Erfolg!
      Martin

  3. Hallo Martin
    Der oben abgebildete Bandschleifer sieht aus wie Meiner, den ich bei Sebastian Kurpiers gekauft habe.
    Du schreibst aber der wäre selbst gebaut (Zitat:“So eine Maschine lässt sich also auch selber bauen (so wie ich es übrigens auch gemacht habe, s. Titelfoto“)
    Wie erklärt sich das?
    Gruss Ralf

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