Der einfachste Eigenbau-Bandschleifer der Welt!

Da ich meine Kurse nicht in meiner winzigen Werkstatt anbieten kann, sondern dafür den Makerspace in Ludwigshafen nutze, muss ich immer eine Menge Material und auch mindestens einen Bandschleifer mitbringen. So entstand die Idee, für die Kurse einen kompakten Bandschleifer im Maß 50×1000 mm zu entwickeln. Er sollte einerseits genauso leistungsfähig sein, wie die Großen, andererseits gut ins Auto bzw. ins Werkstattregal passen. Da ich mehrere benötige um im Idealfall jedem Teilnehmer eine eigene Maschine zur Verfügung stellen zu können, sollte der Bau außerdem mit einfachsten Mitteln und in kurzer Zeit möglich sein (schließlich bin ich auch Messermacher und nicht nur Maschinenbauer). Das Ergebnis ist: der meiner Meinung nach einfachste Eigenbau-Bandschleifer den man sich vorstellen kann.

Das 3D-Modell (CAD) mit allen technischen Zeichnungen der Einzelteile inkl Maße findet ihr übrigens HIER.

Was macht den Bandschleifer so einfach?

  1. Man benötigt außer ein paar Handwerkzeugen und Messgeräten nur eine Ständerbohrmaschine und einen Winkelschleifer
  2. Alle benötigten Teile bekommt man günstig bei eBay, Amazon, Aliexpress oder im Baumarkt
  3. Der Bau ist problemlos an einem Arbeitstag möglich. Ich habe selber zwei Nachmittage nach Feierabend benötigt. Der Zusammenbau der fertigen Teile war in einer guten halben Stunde erledigt.
  4. Statt einem komplizierten Spannarm-Mechanismus mit mehreren Gelenken und einer Gasdruckfeder werden Spannung und Lauf des Schleifbands durch zwei einfache M8-Schrauben eingestellt. Dadurch entfällt ein kompliziertes Ausrichten aller Komponenten praktisch komplett.

Was man an Werkzeug benötigt benötigt

  • Präzise Ständerbohrmaschine* (Heimwerkerqualität genügt)
  • Winkelschleifer* und eine Hand voll Trennscheiben*
  • Metallfeilen
  • Schraubenzieher und -schlüssel
  • Körner und Hammer
  • Bohrer in den Größen 4,2mm 5mm 6mm 6,8mm 8mm 12mm
  • Stufenbohrer bis min. 26mm
  • Schlosserwinkel
  • Lineal, Maßband oder Zollstock
  • Gewindebohrer für M5 und M8 Innengewinde

Außerdem noch nützliche Hilfsmittel

  • Reißnadel
  • Höhenreißer
  • Streichmaß
  • Geradschleifer mit Fräsern, Schleifhülsen usw.

Stückliste mit allen Zukaufteilen

BauteilStückzahlBemerkung
Motor mit Montageflansch und Füßen B341Hier wird ein Motor mit 19mm Welle und 100mm Lochkreis zur Flanschmontage verwendet
Hauptplatte1aus Stahlplatte 120x8mm – am besten 1m für gesamtes Projekt kaufen
U-Profil1aus U-Stahlprofil UPN80
Achsenhalter1aus Stahlplatte 8mm – Verschnitt von Hauptplatte nutzen
Schraubenhalter2aus Stahlplatte 8mm – Verschnitt von Hauptplatte nutzen
Schleifplattenhalter1aus L-Profil 40x40x3mm – am besten 0,5m für gesamtes Projekt kaufen
Schleifplatte1aus Stahlplatte 50x8mm – Verschnitt von Hauptplatte
Tischhalter1aus L-Profil 40x40x3mm
Tisch (Auflage)1aus Stahlplatte 120x8mm – Verschnitt von Hauptplatte nutzen
Rollenachse1aus M12 Gewindestange
Rolle 55x50mm1gut verfügbares Zukaufteil für Bandschleifer – oder selber drehen
Antriebsrad 130mm AD 19mm Bohrung1gut verfügbares Zukaufteil für Bandschleifer – oder selber drehen
Senkkopfschraube M6x18 Innensechskant4Für Motorflansch – vorher prüfen, welche Schrauben benötigt werden
Kugellager 62013i.d.R. in gekauften Rollensets enthalten
Muttern M124
Unterlegscheiben M124nach Bedarf, je nach Dicke, um Axialspiel der Rolle zu minimieren
Sicherungsring für 32mm Innen1i.d.R. in gekauften Rollensets enthalten
Schraube M5x40 Innensechskant4
Schraube M8x45 Innensechskant2mit Durchgangsgewinde, etwas länger geht auch, falls gewünscht stattdessen Klemmhebel verwenden
Schraube Flachrundkopf M8x108falls Unterlegscheiben verwendet werden, ggf. etwas längere Schrauben verwenden

Vorbereitung des Materials

Liegt das Material bereit, sollte man zunächst prüfen, wo man ggf. nachbessern muss. Gerade Flachstahl von Ebay ist zwar sehr günstig, kommt aber of krumm wie eine Banane zu Hause an. Bevor man die Halbzeuge ablängt, kann man sie noch gut im Schraubstock richten. Einfach einspannen und vorsichtig gerade biegen. Immer wieder prüfen und falls nötig etwas weiter biegen.

U-Profil und L-Profil haben im Querschnitt ein deutlich größeres Flächenträgheitsmoment und daher eine höhere Steifigkeit. Sie sind i.d.R. nicht so leicht zu biegen und kommen daher auch einigermaßen gerade zu Hause an. Oft sind aber die Oberflächen nicht plan und Schnittkanten schief. Hier sollte man zumindest prüfen, dass das Stück, das man verwendet, nicht zu große Mängel hat. Schlosserwinkel und Haarlineal helfen beim Prüfen, eine gute Feile genügt fast immer zum Nachbessern. Notfalls macht man die grobe Vorarbeit mit einer Schruppscheibe oder Fächerscheibe am Winkelschleifer.

Fertigung der Einzelteile

Gefühlt habe ich beim Bau dieser Bandschleifmaschine die Hälfte der Zeit nur mit Messen und Anreißen verbracht. Der Rest ging eigentlich sehr schnell. Aber wie immer bei solchen Projekten misst man lieber drei mal nach, bevor man wirlich die Flex ansetzt.

Ein Stahllineal, eine Reißnadel und der oben schon erwähnte Schlosserwinkel reichen an sich zum Vorbereiten. Aber ein paar weitere Messgeräte können extrem hilfreich sein. Hierzu gehören vor allem Höhenreißer und Streichmaß. Mit dem Streichmaß kann man präzise entlang einer Außenkante anreißen wenn z.B. mehrere Bohrungen mit dem gleichen Abstand von der Kante zu setzen sind. Mit dem Höhenreißer geht das gleiche noch genauer und auch bei sehr kleinen Teilen. Eine sauteure, abgerichtete Messplatte beöntigt man dabei meiner Meinung nach nicht, eine plangeschliffene Fläche wie z.B. bei einer Fensterbank aus Granit oder eine Glasscheibe genügen locker um auf einen zehntel Millimeter genau anzureißen.

Zusammenbau des Bandschleifers

Der Zusammenbau aller Teile geht letztendlich überraschend schnell. Die Hauptplatten an den Motorflansch anschrauben, dabei nochmals prüfen, ob die Welle samt Passfeder genügend Platz sich frei drehen kann (bei der hier verwendeten 19mm-Welle war eine Bohrung mit 26mm nötig. Das Antriebsrad auf die Welle zu bekommen, kann schwierig sein, wenn die Passung sehr eng ist. Was fast immer hilft, ist das Antriebsrad mit einem Heißluftfön ordentlich aufzuheizen, dann rutscht es fast von selbst auf die Welle. Danach montiert man das U-Profil, Wellenhalter und die Halter für die Stellschrauben. Die Rolle mit Lagern (und ggf. ein paar Unterlegscheiben um den Abstand zur Hauptplatte einzustellen) wird einfach auf die M12-Gewindestange gesteckt und oben in die vorher angefertigten 12mm breiten Schlitze gelegt.

Nun ist ein guter Moment, um zu testen, ob sich das 50x1000mm Schleifband problemlos auflegen lässt. Hält man sich an die von mir angegebenen Maße, sollte genügend Luft sein, um es problemlos in Position zu schieben. Danach kann man mit wenigen Umdrehungen der Stellschrauben die gewünschte Spannung auf das Band bringen. Ist der Motor breits verkabelt, steht einem ersten Testlauf nichts mehr im Weg. Im Gegensatz zu anderen Bauarten ist bei diesem Bandschleifer kein kniffeliges Ausrichten des Motors nötig. Zieht man beide Schrauben gleichmäßig an, läuft das Band direkt einigermaßen mittig. Nun kann man noch ein wenig nachstellen und die Sache ist erledigt.

Als letztes muss man nur noch die Schleifplatte hinter dem Band mit Hilfe des L-Profils montieren und den Auflagetisch (ebenfalls mit L-Profil) anbringen. Schon kann das Schleifen los gehen!

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