Fehler beim Messermachen

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Wenn man anfängt, Messer zu machen, macht man automatisch auch Fehler. Beim ersten Messer macht man gefühlt alles falsch, beim zweiten immer noch recht viel und selbst beim hundertsten läuft wahrscheinlich nicht alles perfekt. Fehler gehören zum Lernprozess dazu und lassen sich nie ganz ausschließen. Damit ihr euer erstes Messer nicht halb fertig an die Wand werft und die Lust am Messermachen verliert, hier ein paar typische Anfängerfehler, die sich leicht vermeiden lassen.

Zu komplexes Design

Der Klassiker – und kommt in fast jedem meiner Kurse vor. Einer der Teilnehmer hat das Design von einem verschnörkelten Fantasiekampfmesser mit übertrieben langer Klinge im Kopf, das er so unbedingt beim allerersten Versuch ein Messer zu machen umsetzen will. Gerade wenn man alle Schleifarbeiten von Hand durchführen muss, sollte man sich für eine möglichst einfache Messerform entscheiden mit einer relativ kurzen Klinge. D.h. eine eher gerade Form ohne Kurven nach innen, die man kompliziert mit der Feile herausarbeiten muss. Außerdem sollte die Klinge nicht zu dick sein – je dünner, um so weniger Material muss man beim Anschliff abtragen (Empfehlung: max. 3 mm).

Ungeeigneten Stahl ausgewählt

Nicht jeder Stahl ist für Messer geeignet. Grundvoraussetzung ist, dass man ihn härten kann. Dafür sollte der Kohlenstoffanteil >0,5 % sein, besser ab 0,7 %. Wenn man selbst härten will, sollte man auf nichtrostende Stähle verzichten, die sind aufgrund des hohen Chromanteils deutlich schwieriger zu härten. Auch teure Damaststähle oder pulvermetallurgische Stähle sollte man sich lieber für spätere Versuche aufheben. Sie sind einfach zu teuer um die für die ersten Messer zu verschwenden (und schwieriger zu bearbeiten). Außerdem sollte man auf Stahl vom Schrott, also Sägeblätter, Blattfedern, Feilen etc. am Anfang lieber verzichten. Sie sind meist bereits gehärtet und müssen weichgeglüht werden, um sie wieder bearbeitbar zu machen. Grundsätzlich empfehlenswert sind niedriglegierte Werkzeugstähle (z.B. 1.2235).

Klinge zu früh gehärtet

Wenn die Klinge erstmal hart ist, wird jeder Zehntelmillimiter, den man noch abtragen will, zur Quälerei. Daher die Klinge unbedingt so weit wie möglich fertig bearbeiten, bevor man sie härtet. Dazu gehört, alle Macken zu beseitigen, die einen später stören, alle Flächen mit ausreichend feiner Körnung zu bearbeiten (ca. 240) und Feilarbeiten für Griffmulden, Schleifkerben usw. abzuschließen.

Schneide nicht dünn genug ausgeschliffen

Dieser Punkt gehört in gewisser Weise zu „zu früh gehärtet“ dazu, ist aber besonders ärgerlich. Es geht hierbei um die Restbreite des Stegs, der ganz zum Schluss beim Schärfen zur Schneide geschliffen wird. Im Allgemeinen wird empfohlen, hier ca. 0,5 mm stehen zu lassen, etwas weniger ist auch in Ordnung. Nur weniger als ca. 0,2 mm sollte es nicht sein. Scheinbar fehlt Anfängern jedoch oft was Gefühl dafür, wie breit dieser „Rest“ ist. Meine Kursteilnehmer sind oft etwas ungeduldig und wollen bei teilweise >1 mm schon ihre Klinge härten. Die Quittung hierfür bekommt man ganz am Ende, wenn man versucht die Klinge z.B. auf dem Wasserstein zu schärfen und merkt, dass man hierfür etliche Stunden brauchen wird. Daher: lieber genau nachmessen, dann ist das Schärfen schnell erledigt.

Bohrungen nicht exakt senkrecht

Wer beim Flachangelmesser die Bohrungen für die Nietstifte nicht senkrecht in Erl und Griffschalen gebohrt hat, wird später schwierigkeiten haben, alles zusammenzusetzen und spaltfrei zu verkleben. Durch das benutzen einer Ständerbohrmaschine lässt sich das Problem weitgehend vermeiden. Wer keine hat, sollte entweder ganz besonders darauf achten, dass alles senkrecht ist oder irgendeine Hilfsmittel benutzen (Klotz mit senkrechten Löchern als Schablone). Eine ander Möglichkeit ist, die Bohrungen ein paar Zehntel Millimiter größer zu machen, als die Nietstifte. Das ist zwar technisch nicht die eleganteste Lösung, verschafft einem aber eine gewisse Toleranz und lässt sich später mit bloßem Auge kaum erkennen.

Bohrungen zu klein

Das ist besonders ärgerlich, wenn der Griff mitgehärtet wurde und man nun feststellt, dass die Bohrungen im Erl für die vorgesehenen Nietstifte zu klein sind. Die 4 mm Messingstangen aus dem Baumarkt passen eben nicht immer in 4 mm Bohrungen. Das kann an den Fertigungstoleranzen lieben oder daran, dass sich die Niete leicht verbogen haben. Die Bohrungen zu „vergrößern“ ist extrem mühsam, einfacher ist es, die Niete ein wenig dünner zu schleifen (am besten ein längeres Stück des Rundmaterials im Akkuschrauber einspannen und jetzt mit Schleifpapier bearbeiten, bis es passt). Grundsätzlich würde ich empfehlen, sich einen ca. 0,1 mm größeren Bohrer zu besorgen, so dass man etwas Spiel hat. Unbedingt vor dem Härten und vor dem Verkleben testen, ob alles spannungsfrei zusammenpasst.

5-Minuten-Klebstoff

Natürlich mag niemand lange auf das Aushärten des Klebers warten, aber der beliebte 5-Minuten-Epoxidharzkleber lässt einem nicht viel Zeit, irgendwelche Korrekturen vorzunehmen, wenn er ersteinmal angerührt ist, alle Flächen dick und fett damit eingepinselt sind und man dann plötzlich feststellt, dass irgendwas nicht passt.

Griffschalen im Ricassobereich nicht fertig bearbeitet

Das ist i.d.R. die einzige Stelle an den Griffschalen, die vor dem Verkleben fertig bearbeitet sein muss, also bis zum gewünschten Finish! Sobald die Griffschalen montiert sind, kommt man die diese „Ecke“ mit Schleifpapier usw kaum noch rein.

Klebstoffreste am Ricasso

Beim Verkleben der Griffschalen quillt i.d.R. an allen möglichen Seiten überschüssiger Kleber heraus. Das ist auch ok so, wir wollen ja keine Spalte zwischen Erl und Griffschalen. Aber wie oben schon erwähnt, können wir den Übergangsbereich zum Ricasso später nicht mehr bearbeiten, daher muss hier der überschüssige Kleber gründlich entfernt werden. Das geht ganz gut mit Aceton oder ähnlichen Lösungsmitteln. Einfach ein paar mal drüber wischen, jedes mal ein frisches Tuch nehmen und die Flächen sind sauber. Weitere Möglichkeit: Ich durfte mal bei Jürgen Schanz zusehen, wie er seine Messer macht. Statt den Kleber wegzuwischen, hat er ihn härten lassen, bis er eine Gummiartige Konsistenz hatte und hat ihn dann einfach herausgeschabt. Ging sehr schnell und sauber, ist mir selber aber bisher noch nicht genausogut gelungen. Daher meine Empfehlung: Wegwischen, solange noch flüssig (noch ein Grund mehr, am Anfang keinen 5-min Klebstoff zu verwenden).

Zu viel Perfektionismus

Das erste Messer wird bei fast jedem voller Kratzer und Macken sein, jedenfalls wird es alles andere als perfekt. Daher sollte man das erste Messer vielleicht lieber als Übung fürs nächste Messer sehen. Wenn man den Prozess einmal von vorne bis hinten durchgemacht hat, weiß man schon deutlich besser, worauf es ankommt. Daher lieber nicht stundenlang am ersten Messer herumpolieren, das zweite wird fast automatisch besser und in der halben Zeit fertig.

Was hast du bei deinem ersten Messer falsch gemacht? Hast du Ergänzungen zu dieser Liste? Schreib es in die Kommentare oder schick mir eine Nachricht.

Schreibe einen Kommentar